Man muß nicht alles wissen, nur, wo es steht

Neue Wasserstoffinitiative EGAHC - Turbo für die EU

Das Europäisches Institut für Innovation und Technologie (EIT) und der Wagniskapital- und Innovationsfond Breakthrough Energy Ventures von Bill Gates haben eine intensive Zusammenarbeit im Bereich der Wasserstoffwirtschaft bekannt gegeben. Das Ziel der Wasserstoff-Initiative European Green Hydrogen Acceleration Center (EGHAC) ist es, binnen fünf Jahre das Marktvolumen der Wasserstoffwirtschaft in Europa auf über 100 Milliarden pro Jahr zu bringen. Oder ökologischer ausgedrückt: Den Übergang zu einer nachhaltigen, klimafreundlichen Zukunft des Energiesektors zu beschleunigen.

Die Akteure schätzen, dass über 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze in den Industriezweigen entstehen können, die direkt und indirekt in die Hydrogenindustrie liefern. Neben den nationalen Initiativen wie NOW oder HYPOS profitieren von dieser Initiative u.a. auch das Joint Undertaking Fuel Cell and Hydrogen (FCH; Green Deal).

Kurzfristiges Ziel des EGHAC ist die Reduktion der Preisdifferenz zwischen fossilen und regenerativen Energieträgern. Dazu soll eine verstärkte Vernetzung der europäischen Wasserstoff-Industrie erreicht werden, ein beschleunigter Ausbau der Märkte und der technologischen Weiterentwicklung, jedoch auch die Förderung von großen, industriellen Projekten und die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte.

Das EIT InnoEnergy bringt dabei seine Erfahrung beim Aufbau von Netzwerken, der Förderung von Startups und der Kooperation zwischen Wissenschaft und Industrie ein. Diese Kenntnisse stammen maßgeblich auch aus der Arbeit bei dem Aufbau der Europäischen Batterieallianz (EBA).

Der European Green Hydrogen Acceleration Center sieht sich also als Mittler zwischen Geldgeber, Forschung und Industrie, um durch Förderung von Start-Ups und Großprojekten die Entwicklung einer ökologischen und ökonomischen Wasserstoffwirtschaft zu beschleunigen.

Inwieweit das Ziel einer rein grünen Wasserstoff-Wirtschaft binnen fünf Jahre tatsächlich erreicht werden kann, bleibt angesichts anderer, oft drängenderer Probleme innerhalb Europas jedoch fraglich. Es wird eine Übergangszeit geben, in der Wasserstoff auch weiterhin aus Erdgas und Erdöl hergestellt wird. Denn neben dem Stromsektor gibt es weitere sehr große Verbraucher für Wasserstoff: Stahlproduktion, Düngemittelherstellung, Erdölraffinerien, um nur einige zu nennen. Doch ein weiterer Schritt zu einer dekarbonisierten Zukunft ist damit gemacht.

11/2020 ©GF