Man muß nicht alles wissen, nur, wo es steht

RFID-Tag`s - Produkte für die Industrie 4.0

Es gibt Produkte, die weit vor Ihrer Zeit schon erdacht wurden. Prominentes Beispiel ist der Luftschrauber, den Leonardi da Vinci 450 Jahre vor dem ersten Helikopter bereits skizziert hat. Oder das mit Brennstoffzellen ausgerüstete U-Boot Nautilus von Jules Verne.
Ähnlich geht es der RFID-Technologie, deren Anfänge in den letzten Jahren des 2. Weltkriegs zu finden ist.

RFID beschreibt heute eine Technik, mit der man per Funkwellen Informationen aus einem kleinen Speicherchip auslesen oder – entsprechende Hardware vorausgesetzt - hineinschreiben kann. Denn erst die Miniaturisierung gegen Ende der 1970er Jahre machte RFID für ein breiteres Anwendungsspektrum anwendbar.

Passive RFID-Chips besitzen eine Antenne und einen Integrierten Schaltkreis. Über den Sender wird zunächst Energie in die Antenne eingespeist. Diese reicht aus, um den RFID-Chip mit Spannung zu versorgen und eine Antwort zu senden. So kann man die im Chip zuvor gespeicherte Information auslesen. Dabei dürfen Sender und Lesegerät nicht allzu weit entfernt sein, um eine ausreichende Energieeinkopplung und Sendereichweite zu erreichen.

Aktive RFID-Systeme verfügen über eine Batterie und können von sich aus senden. Die Reichweite ist erheblich größer und die übermittelbare Informationsmenge deutlich größer.

Anwendungen in der Tierhaltung (Identifizierung von einzelnen Nutztieren), vor allem aber die produktionsbegleitende Warenidentifikation waren und sind breite Anwendungsbereiche. Da man RFID-Transponder auch im Gros auslesen kann, also ein Dutzend oder noch mehr gleichzeitig, wurden RFID-Systeme auch früh für die Warenkennzeichnung in Supermärkten und der Bekleidungsindustrie entdeckt. Doch während heute nahezu jedes höherwertige Kleidungsstück ein RFID-Anhänger trägt, wird in der Lebensmittelbranche noch immer auf den Durchbruch gewartet. Vorteil wäre, dass ein Kunde nur durch eine Schleuse fahren bräuchte, die die RFID-Transponder aller Waren (Bulk-Erkennung) ausliest. Das mühselige Scannen durch die Kassierer/innen würde entfallen und die Inventur drastisch erleichtert.

Doch dazu müssten zwei wesentliche Bedingungen erfüllt sein:

-         Alle Produkte müssten gekennzeichnet sein

-         Der Preis pro RFID-Transponder müsste gering genug sein

Anders wie bei werthaltigen Kleidungsstücken sind Mehrkosten von zwanzig, dreißig Cent bei einem Joghurtbecher nicht verkaufbar.

Die Hoffnung, dass druckbare Elektronik auf der Umverpackung bald diese Diskrepanz zwischen Preis für den RFID-Transponder und dem Nutzen verschwinden lassen, bewahrheitet sich mittlerweile seit 10 Jahren noch immer nicht.

Doch langsam überwiegen die Vorteile und die Preise pro Stück sinken auch dank der deutlich steigenden Mengen merklich. Die Industrie und namentlich das Internet of Things (IoT) treiben die Entwicklung voran und die Umsatzzahlen nach oben. Denn die Vorteile in der Produktionsplanung und der Produktverfolgbarkeit sind unübersehbar. Denn mit RFID-Tag`s können Produkte, Montageplätze, Logistikknoten und andere Mitglieder in der Fertigungskette mit einer eigenen (kleinen) Intelligenz versehen werden. Die maschinenlesbaren Informationen lassen sich vollautomatisch verarbeiten, übertragen, bündeln und auswerten. Da ein RFID-Label sehr flexibel in seiner Geometrie sein kann und die Montage von "im Produkt integriert" bis "temporär aufgeklebt" möglich ist, wird z.B. in der Fabrik der Zukunft weitgehend papierlos die Produktion und die Produktverfolgung stattfinden können. Ein Zukunftsszenario, das in etlichen Firmen bereits Realität ist und mit sinkenden Kosten eine immer größere Verbreitung finden wird.

© 03/2019 Gerald Friederici