Fahrt über das Røldalsfjellet und Jettegrytene på Rullestad
Zunächst geht es weiter auf der 520 Richtung Røldalsvatnet. Anstatt den Tunnel auf der 13 (E134) Richtung Skare zu nutzen, führt der Weg über die alte Passstraße (Gamlevegen) über das Røldalsfjellet (Ryfylkeheiane). Anschließend geht es auf der E134 durch den Tunnel, bevor bei Rullestad auf den Rullestadveien abgebogen wird (dieser ist wegen Bauarbeiten einseitig gesperrt). Nach drei Kilometern erreicht man einen kleinen Parkplatz am Straßenrand. Von dort führt eine nagelneue Holzbrücke über den Åpnaelva (Øynaelva), der mächtig rauschend die offene Schlucht hinabgetost kommt.
Gletschermühlen im Granit -Wanderung zu den Jettegrytene (Rullestad)
- Ausgangspunkt: Kleiner Parkplatz am Rand des Rullestadveien (3 km nach der Abzweigung von der E134)
- Wegstrecke: ca. 5 bis 6 km (gesamt hin und zurück)
- Höhenmeter: ca. 250 m
- Wegbeschaffenheit: Abwechslungsreich über Kiefernwald, morastige Abschnitte, glatte Granitfelsen und alte Postweg-Passagen. Der gesicherte Abstieg zu den Gletschermühlen führt über Stahlbügel, Ketten und leiterähnliche Passagen an Seilen; bei Nässe und Feuchtigkeit sehr rutschig und gefährlich.
Die Wanderung beginnt mit der Überquerung des Flusses und einem ersten spektakulären Wasserfall. Dann geht es durch den Kiefernwald mit -- im Moment lecker reifen Heidelbeeren -- leicht bergauf. Der Weg folgt zunächst dem alten Postweg, der zum Teil aufwändig mit meterhohen Steinquadermauern angelegt war. Ein zweiter Wasserfall und dann der beeindruckendste, dritte Wasserfall. In breitem weißschäumenden Strom kommt das Wasser über eine Felsstufe herab.
Nun geht es deutlicher bergauf. Da es gerade eben noch geregnet hatte, ist der Weg morastig und die an sich so griffigen Granitfelsflächen rutschig. Aber es geht weiter und weiter bergan, bis die „Baumgrenze" erreicht ist. Auf den abgerundeten Granitbuckeln ohne Spalten und Löcher hält sich kein großer Baum. Zweimal muss man einen kurzen Gegenanstieg bewältigen, dann hat man diese schöne kleine Wanderstrecke hinter sich. Mit weitem Blick ins Tal wartet oben ein dünnes „Gipfelbuch". Viele machen die Wanderung wohl nicht und so reichen 40 Seiten eines Notizheftchens für zwei Jahre.
Das Hinweiszeichen zu den Jettegrytene zeigt nach unten. Und da geht es auch hin: nach unten. Zunächst noch im sehr offenen Wald auf Gras- und Wurzelweg, doch dann kommt die erste kleine Felsstufe. Hier helfen die ersten vier Edelstahlbügel beim Abstieg. Kurze Zeit später folgen zwei lange leiterähnliche Passagen, die dank eines schlabbrig hängenden Stahlseils zusätzlich etwas abgesichert sind. Noch ist der Fels unter einem nicht senkrecht und Bäumchen geben einem die Sicherheit, nicht gänzlich hinab zu kullern, sollte man ausrutschen.
Der Weg gabelt sich und wenn man genau hinschaut, gibt es überall Ketten und Stahlseile und zahllose Stahlbügel: jeder der zahlreichen Gletschermühlentöpfe scheint erreichbar zu sein.
Die Jettegrytene bei Rullestad sind imposante Naturzeugnisse, die vor über 10.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit entstanden sind. Als sich die gewaltigen Inlandeismassen langsam zurückzogen, flossen gewaltige Schmelzwassermengen unter enormem Druck unterhalb und innerhalb des Gletschers ab. An einigen Stellen bildeten sich dadurch extrem starke Wasserstrudel und Mahlwirbel.
Das reißende Schmelzwasser führte reichlich Felsgeröll, Kies und Sand mit sich. In den Strudeln wurden diese Steine wie in einem gigantischen Mixer kreisförmig auf dem harten Granitgestein gedreht. Über hunderte von Jahren wirkten die rotierenden Felsbrocken wie natürliche Bohrer, die sich immer tiefer in den harten Fels schliffen und ausmeißelten.
Als das Eis schließlich vollständig geschmolzen war, blieben diese tiefen, kreisrunden und kesselartigen Hohlräume im Granit zurück. Die so entstandenen Gletschermühlen erreichen bei Rullestad erstaunliche Ausmaße -- manche von ihnen messen bis zu sechs Meter im Durchmesser und fallen überraschend tief in die Felswände ab. Der norwegische Name „Jettegrytene" bedeutet übrigens übersetzt „Riesenkessel", da die Menschen früher glaubten, dass diese gewaltigen Vertiefungen einst von Riesen zum Kochen geschaffen wurden.
Es geht an Seilen und Ketten immer tiefer, wobei die Wände sich immer mehr der Senkrechten nähern. Angesichts der immer noch feuchten, rutschigen Felsen bleibt der letzte Abstieg zu einer weiteren Gletschermühle aus: darunter drohen etwa 150 Meter sehr schräge, glatte Granitfläche und dann das tobende Wasser der Öynaelva.
Der Rückweg erfolgt über den Herweg, wieder vorbei an dem schönen See. Die Sonne, die für eine Stunde bei den Jettegrytene schien, verschwand wieder hinter dunklen Wolken, die erneut mit Regen drohten. So wurde der Abstieg ein eiliger.
Es folgte die Weiterfahrt Richtung Skanevik (Fähre), vorbei am Langfoss (tosender Wasserfall bis an Strasse heran). Auf einem fantastischen Aussichtsplatz findet sich vermeintlich ein toller Nachtplatz über dem Akrafjord. Leider kommt nach 20 Uhr doch noch jemand und verscheucht uns. Etwas unterhalb an einem See und an der Strasse findet sich dann die weniger gute, aber passable Alternative. Morgenfrüh müssen wir eh früh los, da die Fähre um 8:45 Uhr fährt.