Col del la Schlucht – Sentier de Rocher

Am Col de la Schlucht ist bereits früh ein höllischer Lärm. Biker aus allen möglichen Gegenden kommen hier hoch, um auf der Route de Crete die Kurvenfahrten auszutesten. Leider verdirbt das ein wenig den landschaftlich schönen Eindruck beim Blick hinab in das Munstertal und hinauf zu den Felsen des Felsenpfades.

Es sind erstaunlich viele Menschen bereits unterwegs und alle wollen zum Felsenpfad. Umso leichter fällt es da, die Wegrichtung einfach umzukehren. Vom Pass aus geht es im schönen, aber steinreichen Rotbuchenwald bergauf. Anfang Juni erstrahlt er in einem fast unwirklich frischen, hellen Maigrün. Das junge Laub filtert das Sonnenlicht und taucht den steinigen Pfad in ein grünes Licht. 

Knapp 500 Meter weiter und einiges höher erreicht man einen kleinen Aussichtspunkt (Petite Fecht), von dem aus man tief unter sich einen kleinen Abschnitt des Felsenwegs sehen kann. Kurz danach flacht der Weg ab und man tritt aus dem schattigen Rotbuchenwald auf die große Wiesenfläche um das Chalet-Refuge Les Trois Fours. Im Frühsommer stehen diese Chaumes (Bergweiden) in voller Blüte; ein Meer aus zarten Bergkräutern und Gräsern wiegt sich im Wind, während über den Freiflächen der Duft von frischer Natur in der Luft liegt.

Am Waldrand entlang geht es auf breitem Weg zu einem Parkplatz. Hier kann man sich für den schattigen Abstieg in den Taltrichter der Auberge Frankenthal entscheiden oder folgt links dem Pfad am Waldrand entlang. Nicht verpassen sollte man vor Eintritt in den Wald rechts den Aussichtspunkt auf den tief unten liegenden Talkessel mit seinen felsigen Steilwänden zwischen Le Hohneck und Martinswand.

Nach einem Bunkerrest direkt auf dem Weg geht es im Wald in zahllosen Serpentinen bergab. Knapp 200 Höhenmeter später trifft man auf den von links kommenden Felsenweg. Er würde, rechts weiter gehend, direkt zur Auberge Frankenthal führen (Standardvariante für die Rundwanderung von Col de la Schlucht aus, die am oberen Talkesselrand extrem aussichtsreich wieder zurückführt).

So aber beginnt auf dieser Tour am Krappenfels der Felsenweg und bildet damit den spektakulärsten Teil der Rundwanderung. Der Sentier des Rochers ist in den steilen Hang gebaute Steig und fordert volle Konzentration und Trittsicherheit. Die Natur zeigt sich hier mit Felsbänken und Geröllfeldern von ihrer wildesten, ungezähmtesten Seite:

Der Pfad windet sich an mächtigen, teils feuchten Felswänden entlang und quert ausgedehnte, Jahrmillionen alte Geröllhalden aus Granit, zwischen denen im Juni die Farne leuchten und Blumen blühen. Bedingt durch die extreme Hanglage, raue Witterung und Lawinenabgänge im Winter wächst der Wald hier absolut bizarr. Knorrige, tief bemooste, windschiefe Bäume krallen sich mit ihren Wurzeln direkt in den nackten Fels.

Zunächst geht es erst einmal noch weiter hinunter, um hervorstehende Felsnasen und Geröllfelder zu umgehen, dann aber steigt der Wanderpfad in einem Blockmeer aus grün übermoosten Felsen deutlich an. So führt der Weg meist unterhalb der Felswände, aber doch steinig und wurzelig durch den dichten Wald. Gelegentlich leitet er über schmale Felsbänder. Überall, wo es „gefährlich“ werden könnte, helfen massive, in der Wand verankerte Rohre als Handlauf.

In einem zweiten Geröllfeld geht es so lange bergauf, bis eine Stahltreppe zu einem Tunneldurchgang führt. Ab hier verläuft der Wanderweg immer wieder spannend und aussichtsreich auf schmalen Felsbändern – stets gut versichert. Die letzten Höhenmeter erwandert man dann wieder auf angenehm weichen Waldboden, bis man unvermittelt wieder am Parkplatz am Col de la Schlucht herauskommt (würde das Lämen der Motorräder das Näherkommen nicht überdeutlich anzeigen).

Die Tour ist rund 8 km lang bei 280 Höhenmetern Gesamtanstieg.