Der Botanische Garten in Mainz an der Johannes-Gutenberg-Universität

Der Botanische Garten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz umfasst eine Fläche von rund 10 Hektar und beheimatet etwa 8.500 Pflanzenarten. Er wurde zwischen 1946 und 1955 unter der wissenschaftlichen Leitung von Wilhelm Troll auf einer ehemaligen Acker- und Militärfläche angelegt. Wenn Anfang September die ersten Blätter leise durch die Luft gleiten und die Sonne das Gelände in ein warmes, goldeneres Licht taucht, legt sich eine sanfte, spätsommerliche Ruhe über diesen geschichtsträchtigen Ort, und auf den verschlungenen Wegen beginnt eine wunderbare Reise durch die pflanzliche Welt.

Der Rundgang führt zunächst in den geschützten Komplex der Gewächshäuser, der ab den späten 1940er und 1950er Jahren erbaut wurde und rund 3.000 Quadratmeter unter Glas umfasst. Sobald man diese historischen Oasen betritt, umfängt einen eine angenehm warme, tropische Luft, in der ein Hauch von feuchter Erde und exotischen Gewächsen liegt. Hier gedeihen unter konstanten Klimabedingungen Nutzpflanzen, Sukkulenten und Epiphyten, während das tiefstehende Septemberlicht durch die Glasdächer bricht und tanzende Schatten auf den Boden wirft.

Zurück im Freien öffnet sich die Systematische Abteilung als der historische Kernbereich des Gartens, der auf Wilhelm Trolls Konzept der vergleichenden Morphologie zurückgeht. Auf über 3.500 Einzelbeeten wird die Verwandtschaft der Blütenpflanzen dargestellt. Anfang September hat die Natur hier einen reifen, fast melancholischen Charme angenommen: Neben wenigen späten Sommerstauden zeugen reife Fruchtstände und Samenkapseln von der unaufhaltsamen Reife des Gartenjahres und dokumentieren den Wandel der Jahreszeiten.

Wenige Schritte weiter betreten wir das rund 3 Hektar große Arboretum, eine umfangreiche Sammlung von Gehölzen der gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel, die überwiegend ab den 1950er Jahren gepflanzt wurden. Mächtige Bäume und Sträucher spenden wohltuenden Schatten, während ihre Kronen erste zarte Farbnuancen zeigen und das Rauschen des Blätterdachs dazu einlädt, innezuhalten und tief durchzuatmen.

Den harmonischen Ausklang des Spaziergangs bildet das Alpinum, dessen künstliche Steinanlagen durch spezielle Gesteinsschüttungen und Expositionslagen Kleinklimazonen für etwa 1.500 alpine und gebirgsangepasste Pflanzenarten bilden. Hier trotzen robuste Gebirgspflanzen den kühler werdenden Tagen, und von oben öffnet sich der Blick noch einmal über die friedliche Vielfalt dieses Refugiums, das mitten im städtischen Raum einen unvergleichlich harmonischen Zufluchtsort bildet.