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Die Mär vom Zusammenbruch der Stromversorgung durch die Elektromobilität

Getrieben von der EU-Verordnung zum Flottengrenzwerte für den CO2 Ausstoß sind Fahrzeughersteller gezwungen, Alternativen zu den bisherigen Antrieben zu finden. Diese Effizienzsteigerung bei der Ausnutzung der Energie in Diesel- und Benzintreibstoffen hat jedoch langsam eine Grenze erreicht, bei der weitere Verbesserungen schlichtweg zu teuer werden. Daher werden mehr und mehr PKW`s als Hybrid- oder vollelektrisches Fahrzeug angeboten.

Die Elektromobilität scheint nun seit wenigen Jahren scheinbar lawinenartig und völlig überraschend die Automobilindustrie zu überrollen. Das liegt auch daran, dass man in der Automobilbranche lange Zeit noch glaubte, mit einer immer besseren Dieseltechnik die Vorgaben zu schaffen. Dass dieses Bemühen schließlich in den Dieselskandal mündete zeigt, dass technisch und aus Kostengründen das Ende der Fahnenstange bei dieser Technologie erreicht ist.

Der nun begonnene Umbau aller deutschen und europäischen Automobil-Marken zu "ökologisch orientierten, grünen Herstellern"  ist also nicht unbedingt der Erkenntnis geschuldet, dass ein Festhalten an fossilen Treibstoffen eine Sackgasse darstellt. Es ist vielmehr eine Folge des gesetzlichen Drucks zur CO2-Einsparung.

Die Zweifler an der Mobilitätswende berücksichtigen bei der Beurteilung der Elektromobilität häufig nicht den Umstand, dass man hier Äpfel mit Birnen vergleicht. Es wird ein seit über 100 Jahren etabliertes Industrienetzwerk verglichen mit einer noch jungen, neuen Technologie. Lieferketten, Produktionskapazitäten, Effizienzsteigerungen, die Suche nach Alternativen – als dies ist in diesen über 100 Jahren Verbrennermotor optimiert worden. Die Elektromobilität steht dagegen noch an vielen Stellen am Anfang dieser Entwicklung.

„Das funktioniert doch niemals, wenn alle Autos mit Elektromotoren angetrieben werden. Das hält das Stromnetz nicht aus“ ist ein häufig verwendetes Argument der Zweifler.

Würde der Bestand an Autos in Deutschland (ca. 45 Million) komplett auf Elektroantrieb umgestellt, ergäbe sich ein um etwa 20% höheren Strombedarf gegenüber dem heutigen Stromverbrauchs durch Industrie, Gewebe und Haushalte.

Setzt man die bis 2030 prognostizierten und deutlich näher an der Realität liegenden Zahlen von etwa sieben bis 10 Millionen Elektrofahrzeugen an, beträgt der Anstieg des Strommengenbedarf nur etwa 3 bis 4,5%. Das deutsche Stromnetz kann innerhalb der kommenden 10 Jahre mit vergleichsweise geringem Aufwand für diese zusätzliche Strommenge ertüchtigt werden. Kommen dann auch noch Speicherkapazitäten aus z.B. Lithium-Ionen-Megawattspeichern oder Redox-Flow-Batterien hinzu, können Lastspitzen durch das gleichzeitige Laden vieler Elektrofahrzeuge bereits lokal abgefangen werden. Der Gleichzeitigkeitsfaktor (also die Anzahl gleichzeitig genutzter Ladestellen im Vergleich zum Gesamtbestand an Elektrofahrzeugen) beträgt im Schnitt etwa 30%, was die Netzbelastung noch weiter mindert.

Der Ladestrom für die Elektrofahrzeuge, sofern dieser nicht aus der heimischen Solaranlage stammt, führt zu Netznutzungsentgelte. Umso mehr Elektrofahrzeuge, desto mehr Geld steht z.B. für den Netzausbau zur Verfügung. Im optimalen Fall können die Einnahmen mit der Zeit die Investitionen in Leitungen und Verteiltrafos überschreiten mit der Folge, dass die Strompreise sogar fallen könnten. Insbesondere dann, wenn überschüssiger, regenerativ gewonnener Strom in großen Mengen gespeichert werden kann. Dieser wird dann durch gesteuertes Laden zu Zeiten mit geringerem Strompreis an die Elektrofahrzeuge abgegeben.

Insgesamt ist also die Behauptung, dass die Elektromobilität das Netz zum Zusammenbrechen bringen würde, ein Scheinargument. Unbesehen anderer Gründe, die deutlich stärkeren Einfluss auf die Entwicklung der Elektromobilität haben.

(Februar 2020, © Gerald Friederici)