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  • Pause am Bach

Gorge de la Carranca

Ein Wanderweg nicht für die Ängstlichen. Eigentlich eher Canyoning für Wanderer in einem überaus steilen Tal. Mit Leitern, Krampen, Gesimswegen über tosendem Wasser und Hängebrücken. Doch nie gefährlich, sondern einfach nur: Schön!

Oberhalb des winzigen Dorfes Tues-Entre-Valles (42°31'24.7"N 2°13'16.7"E) und unterhalb der Haltestelle der Eisenbahn liegt der große Parkplatz (5 EUR/12 Std.) unmittelbar vor dem Eingang zur Gorge. Ein Bogen der Eisenbahnstrecke bildet sozusagen die Pforte hinein in das sehr steile Tal der Carranca. Sogleich wird es spannend, denn der gut ausgebaute Weg klebt an der einen Schluchtwand, während das Wasser rauschend daneben den Weg zur Tet sucht.

Nach dieser ersten Engstelle gewinnt der Weg sehr schnell Höhe. Dabei ist er zwar felsig und eng, aber dennoch gut zu gehen, da er früher einmal der Zugang zu einer Ausleitungsstelle war, von der aus der Großteil des Bachwassers im Berg zu einem Kraftwerk geführt wird.

Schwindelfrei sollte man aber bereits hier sein. Nach etwa einer Stunde Aufstieg hat man mehrmals Blicke auf die gegenüberliegende Talwand gehabt. Dort ist der fast waagrechte Rückweg zu erkennen. Er besteht vor allem aus einer langen Reihe in den Fels gesprengter Simse – ein Balkonweg erster Güte.

Immer weiter bergauf geht es in dem steil aufsteigenden Tal, bis nach kurzen Abstieg die Stelle erreicht ist, wo auf dem Rückweg die Talseite gewechselt wird. Doch nun muss man erst einmal weiter aufsteigen. Die rutschigen Felsen neben dem nun tosenden Wasser (hier ist noch nichts von dem Wasser ausgeleitet, das später die Turbine des Kraftwerks antreibt) sind bald überwunden und eine erste steile Leiter erreicht. Wer sich hier nicht weiter traut, sollte gleich umkehren – aber das werden wohl die Wenigsten sein.

Auf einem waagrechten Gitterrost-Weg, der an den senkrechen Fels geklebt ist, erreicht man mit rauschendem Wasser unter seinen Füssen eine sehr bewegliche Hängebrücke. Sie ist unabhängig von der Wandkonstruktion aufgehängt – ebenso wie die fast senkrechte Leiter an dem Ende der dennoch gut zu begehenden Brücke.

Weiter geht es über Felsblöcke und selten gute Wegpassagen zur nächsten, langen Gitterrost-Konstruktion. Nur mit dünnen Winkeleisen befestigt, die in der Wand stecken, läuft man etwa 50 cm entfernt von der Wand luftig auf einem Drei-Fuss-breiten Weg entlang. Diese Konstruktion aus Gitterrost-Weg und Swingbridge wiederholt sich insgesamt drei mal.

Sobald der Weg wieder breiter ist und nun als gelegter Weg stetig bergan führt, kann man umdrehen – ausser man möchte zum Refuge du Ras de la Caranca. Spätestens an einer verfallenen Steinhütte sollte man für eine Tagestour umdrehen.

Zurück am Abzweigpunkt (Parkplatz via Corniches) folgt man dem Pfad wenige Meter bis zu einer weiteren Hängebrücke. Über sie hinweg erreicht man alsbald das Schleusenhäuschen. An dieser Stelle wird das Wasser für das Kraftwerk in den Tunnel im Berg umgeleitet wird.

Über das Betondach erreicht man eine letzte längere Gitterrost-Strecke. Danach geht es zunächst durch Wald, der aber bald in der immer senkrechter werdenden Wand zurück weicht. Herrlich nun auf dem eben verlaufenden Balkonweg zu laufen und die immer tiefer werdenden Tiefblicke zu geniessen. Durch eine Felsnische hindurch erreicht man den spektakulärsten Teil. Immer läuft ein Seil mit an der Felswand unter dem rauh aus dem Fels gesprengten Dach. Der Weg ist zwar schmal, doch fast überall breit genug.

Nach einer engen Passage hinter einem stehen gebliebenen Felspfosten erreicht man bald danach einen kurzen Tunnel (ca. 10 m). Nun sind es nur noch ein paar Minuten, bis man das obere Ende des Fallrohrs erreicht. Ab hier geht es mit Blick auf Tues-Entre-Valle steil in engen Serpentinen bergab. Am Ende überquert man noch die Eisenbahn und erreicht kurz darauf den Parkplatz.

13 km, 450 Höhenmeter – je nachdem, wo man aufhört, weiter aufzusteigen.