Emissionsfreie Atomkraft - ein Ausweg für die Klimaziele 2030?

Chernobyl und Fukushima waren wie auch die Fastkatastrophe von Harrisburg 1979 deutliche Warnung vor dem Risiko von Atomkraftwerken. Das diese Gefahr lange Zeit nicht ernst genommen wurde, lag auch an der vermuteten Umweltfreundlichkeit dieser Energiegewinnung. Kein CO2, keine Stickoxyde, kein Verbrauch von fossilen Rohstoffen. Doch nicht nur die katastrophalen Unfälle in Russland und Japan haben die Diskussion um die Atomkraft wieder angeheizt. Auch das ungelöste Problem der fehlenden Endlager. Denn mittlerweile haben sich weltweit alle Länder mit Atommeilern verpflichtet, strahlenden Atommüll aus Wiederaufbereitungsanlagen wieder zurück zu nehmen.

In der anheizten Diskussion um die Klimaerwärmung und die angestrebte Reduktion von CO2 in der Atmosphäre erscheint manchem die Atomenergie wie ein Ausweg aus der Zwickmühle zwischen Klimazielen und wirtschaftlicher Realisierbarkeit solcher Ziele. Denn auf irgendeine Weise müssen wir Energie produzieren, um Haushalte, Verkehr und Industrie damit zu versorgen. Atomkraft scheint hier die sauberste und technologisch ausgereifteste Alternative zu sein.

Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein wirtschaftlicher Betrieb von AKW`s gar nicht möglich ist. Vom Bau über den Betrieb bis zum Rückbau einer Atomanlage und der Lagerung des strahlenden Atommülls fallen so viele Kosten an, dass der produzierte Strom an sich viel teurer verkauft werden müsste. Nur durch Umverteilungen zum Beispiel der Kosten für die (End-)Lagerung auf den Steuerzahler und zahlreiche Subventionen durch den Staat ist ein scheinbar wirtschaftlicher Betrieb möglich. Bei einer Vollkostenrechnung – also ohne Vergünstigungen, Steuerbefreiungen und Kostenabtretungen an den Staat – wären die klassische Energiequellen Brau- und Steinkohle sowie Atomkraft signifikant teuer als die Gestehungskosten bei Windkraft und Solarenergie (Greenpeace Energy; Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW).

Wer also glaubt, Atomkraft sei eine Möglichkeit, die Klimaziele von 2030 zu erreichen, täuscht sich. Genauso wie ein Elektroauto per se nicht generell umweltfreundlich ist, sondern nur lokal keine schädlichen Emissionen verursacht, so ist auch die Atomkraft eine Mogelpackung. Bei dem Elektrofahrzeug kommt es für eine Klimaverträglichkeit darauf an, dass die benötigte Energie zur Herstellung und dem Betrieb aus regenerativen Quellen kommt. Das betrifft durchaus auch die Herstellung der benötigten Metalle, bei denen z.B. regenerativ gewonnener Wasserstoff an Stelle von Erdgas zur Wärmeenergieerzeugung eingesetzt werden kann. Für Atomkraftwerke gilt neben dem Problem der zum Teil viele Hunderttausend Jahre in die Zukunft reichenden Gefahr der Verstrahlung der Umwelt der Umstand, dass nur durch erhebliche Subventionen Atomstrom überhaupt konkurrenzfähig war und sein wird. Der Aspekt der militärischen Bedeutung ist zudem ein trauriger Bestandteil der Gründe für den Weiterbetrieb zahlreicher Kernkraftwerke.

Statt weitere Gelder in solche Technologien zu stecken, sollte der Blick von Politik und Wirtschaft stärker auf neuen Ansätzen der Energiegewinnung liegen. Doch staatliche Investitionen in weitgehend unbekannte Technologien mit dem durchaus auch möglichen Ergebnis der Nichteinsetzbarkeit sind unpopulär und der Freie Markt strebt vom Grundprinzip her immer in Richtung des maximalen ökonomischen Gewinns. Dabei bleibt die Ökologie allzu leicht auf der Strecke und Politiker weltweit der gerade aktuellen Meinung verhaftet, ohne den nötigen Weitblick über eine Legislaturperiode hinaus zu zeigen.


(Dezember 2019, © Gerald Friederici)